Zusatzinformationen

Adoptionsvermittlung

ADOPTION
 
„Du bist nicht unter meinem Herzen gewachsen, sondern in meinem Herzen!“
(Verfasser unbekannt)
 
Wer immer sich mit dem Gedanken trägt, ein Kind zu adoptieren oder sein Kind für eine Adoption freizugeben, steht vor einem sehr schwierigen Entschluss und vor einer großen Verantwortung.

Was ist Adoption? »

Adoption ist die Annahme einer Person als Kind. Durch die Annahme als Kind entsteht zwischen den Annehmenden und dem Angenommenen rechtlich ein Eltern-Kind-Verhältnis ohne Rücksicht auf die biologische Abstammung.

Die verwandtschaftlichen Beziehungen zur Herkunftsfamilie erlöschen.

Bei der Adoptionsvermittlung sind das Wohl des Kindes, dessen Bedürfnisse sowie die Wünsche und Vorstellungen der leiblichen Eltern ausschlaggebend.

Die Adoption ist gesetzlich geregelt im:

  • Haager Adoptionsübereinkommen (HAÜ)
  • Adoptionsübereinkommens-Ausführungsgesetz (AdÜbAG)
  • Adoptionsvermittlungsgesetz (AdVermiG)
  • Adoptionswirkungsgesetz (AdWirkG)
  • Bürgerliches Gesetzbuch (§§ 1741 – 1772 BGB)

Möglichkeiten der Adoption sind:

  • Fremdadoption
  • Stiefkindadoption
  • Auslandsadoption
  • Erwachsenenadoption

Arten der Adoption:

Inkognito-Adoption:
Leibliche Eltern und Adoptiveltern lernen sich nicht kennen, so dass die abgebenden Eltern nicht erfahren, wer ihr Kind annimmt.

Offene Adoption:
Bei einer offenen Adoption kennen sich die leiblichen Eltern und Adoptiveltern. Sie setzt von beiden Seiten Offenheit, Vertrauen und Kooperationsfähigkeit voraus.

Halboffene Adoption:
Bei dieser Adoptionsart wird der Kontakt zwischen leiblichen Eltern und Kind mittels Briefen und Fotos über das Jugendamt aufrechterhalten.

Bei der Adoption eines ausländischen Kindes übernimmt in der Regel die örtliche Adoptionsvermittlungsstelle des Jugendamtes die Eignungsprüfung der Bewerber und die Erstellung des Sozialberichtes.

Die Vermittlung eines Kindes kann nur über die zentralen Adoptionsstellen der Landesjugendämter bzw. über anerkannte Auslandsvermittlungsstellen freier Träger erfolgen.

Erwarten Sie ein Kind und brauchen Hilfe? »

Sie erwarten ein Kind und befinden sich in einer finanziellen, persönlichen und/oder familiären Notsituation. Wenden Sie sich an ihr zuständiges Jugendamt, es wird Ihnen vielfältige Angebote zur Unterstützung unterbreiten. Sie werden zu den Möglichkeiten der Hilfen zur Erziehung beraten und können dann eine Entscheidung für sich und Ihr Kind treffen.

Ein Weg kann auch die Adoption sein.

Haben Sie den Mut, mit den Sozialarbeitern der Adoptionsvermittlungsstelle Kontakt aufzunehmen.
Sie werden zu den Rechtsgrundlagen, dem Verfahren und den Möglichkeiten einer Adoption informiert, damit Sie eine Entscheidung zum Wohl Ihres Kindes treffen können.

In den Beratungsgesprächen können Sie als Eltern Wünsche hinsichtlich der Vermittlung Ihres Kindes äußern, die bei der Wahl der Adoptiveltern berücksichtigt werden.

Dazu gehören u.a.:

  • Grundsätze der Erziehung (Religion)
  • Alter und Familienstand der Adoptionsbewerber
  • Adoptionsart

Auch nach der Vermittlung des Kindes und nach Abschluss der Adoption bleiben die Sozialarbeiter der Adoptionsvermittlungsstelle Ansprechpartner für Sie, um Ihnen behilflich zu sein z.B. bei der Bewältigung von Fragen, die sich aus der Trennung vom Kind und Wünschen nach Informationsaustausch und zur Kontaktaufnahme mit dem Kind ergeben.

Sie wollen ein Kind adoptieren? »

Wenden Sie sich an die Adoptionsvermittlungsstelle des Kreisjugendamtes.

Alterserfordernis

Nach § 1743 BGB beträgt das Mindestalter eines Annehmenden 25 Jahre.

Ein Ehepaar kann ein Kind nur gemeinschaftlich annehmen, hier muss ein Ehegatte gemäß § 1743 S.2 BGB das 25. Lebensjahr und der andere Ehegatte das 21. Lebensjahr vollendet haben. Beide Ehepartner müssen also bereit sein, für das Kind zu sorgen.
Im Falle einer Stiefkindadoption des Ehegatten, muss der Annehmende das 21. Lebensjahr gemäß § 1743 S.1 BGB vollendet haben.

Ein Höchstalter für Adoptiveltern ist gesetzlich nicht festgelegt.
Es muss gewährleistet sein, das Sie über einen langen Zeitraum physisch und psychisch in der Lage sind, die erzieherische und pflegerische Versorgung des Kindes sicher zu stellen, d.h. dass zwischen Ihnen und dem Kind ein altersangemessener Abstand besteht.

Erforderliche Unterlagen

  • Fragebögen
  • Lebensbeschreibungen
  • Geburtsurkunden
  • Heiratsurkunde, ggf. Scheidungsnachweis
  • polizeiliche Führungszeugnisse nach § 30 Abs.5 BZRG
  • ärztliche Atteste vom Amtsarzt
  • Meldebescheinigung mit Staatsangehörigkeitsnachweis
  • Verdienstnachweise

Nach Abgabe der Fragebögen und der Lebensbeschreibungen beginnen die intensiven Einzelgespräche mit folgenden Themen:

  • ungewollte Kinderlosigkeit
  • Reflexion der Motivation
  • Biografiearbeit, Erziehungsvorstellung
  • rechtliche Grundlagen
  • Klärung der Adoptionsarten bzw. –möglichkeiten
  • Motivation abgebender Mütter
  • Klärung der Vorstellungen zum Kind
  • Situation adoptierter Kinder
  • Situation der leiblichen Eltern
  • Identitätsfindung Adoptierter/Aufklärung des Kindes über die Adoption
  • ein Hausbesuch, um sich über das soziale Umfeld einen Überblick zu verschaffen

In diesen Gesprächen sollen die Bewerber auch Verständnis dafür entwickeln, dass

  • nicht für sie ein Kind, sondern für Kinder Eltern gesucht werden,
  • sich mit zunehmender Wartezeit nicht zwingend die Aussicht auf die Vermittlung eines Kindes erhöht,
  • für jedes zu vermittelnde Kind eine Vielzahl an Adoptionsbewerbern zur Verfügung steht,
  • das Verfahren, das aus ihrer Sicht langwierig erscheinen mag, von ihnen viel Geduld und Einfühlungsvermögen verlangt,
  • die soziale Elternschaft psychologische Besonderheiten aufweist,
  • die Herkunftsfamilie für die weitere Entwicklung des Kindes bedeutsam bleibt,
  • auch für leibliche Eltern und deren Familien das weitere Schicksal und Wohlergehen des Kindes von Bedeutung sein wird und
  • die leiblichen Eltern mit der Auswahl der Adoptionsbewerber einverstanden sein müssen.

(Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter: Empfehlungen zur Adoptionsvermittlung. 5., neu überarb. Auflage 2006, Kiel, S.24.)

Beratung und Unterstützung

Während der Vorbereitung der Adoption, der Aufnahme des Kindes mit anschließender Adoptionspflege, im gerichtlichen Verfahren und nach Adoptionsausspruch beraten und unterstützen Sie die Sozialarbeiter der Adoptionsvermittlungsstelle.

Suchen Sie nach Ihrer Herkunft oder nach adoptierten Kindern? »

Möchten Sie als Adoptierter mehr über Ihre Herkunft wissen, können Sie sich an die Adoptionsvermittlungsstelle wenden.

Eltern und Geschwister haben die Möglichkeit, nach Adoptierten zu suchen.

Wir beraten und unterstützen Sie gerne.

Wer nimmt die Aufgaben der Vermittlung wahr? »

Die Fachkräfte in der Adoptionsvermittlungsstelle sind für die gesamte Vermittlungstätigkeit verantwortlich. Diese erstreckt sich von der Beratung der leiblichen Eltern, Überprüfung von Adoptionsbewerbern und Auswahl bestimmter Bewerber für ein konkretes Kind bis hin zur Beratung und Unterstützung nach Abschluss der Adoption einschließlich der Berichterstattung zum Integrationsverlauf bei internationaler Adoption nach § 9 Abs.2 AdVermiG. Die Fachkräfte arbeiten mit anderen Behörden (z.B. Ausländerbehörde, Standesamt, Zentrale Adoptionsstelle) und dem zuständigen Vormundschaftsgericht eng zusammen.
Die Suche von und nach Adoptierten ist eine weitere Aufgabe der Adoptionsvermittlung.

Literaturempfehlungen »

  1. Irmela Wiemann, „Ratgeber Adoptivkinder. Erfahrungen, Hilfen, Perspektiven.“
  2. Irmela Wiemann „Pflege- und Adoptivkinder. Familienbeispiele, Informationen, Konfliktlösungen.“
  3. Prof. Dr. Helga Oberloskamp, „Wir werden Adoptiv- oder Pflegeeltern“
  4. Regula Bott, „Adoptierte suchen ihre Herkunft“
  5. Sabine Ulmer-Otto, „Die leere Wiege. Unfruchtbarkeit und ihre seelische Verarbeitung.“

zur Auslandsadoption:

  1. Rolf P. Bach, „Gekaufte Kinder“
  2. Bernd Wacker, „Adoptionen aus dem Ausland. Erfahrungen, Probleme, Perspektiven.“
  3. Bernd Wacker, „Die letzte Chance? Adoptionen aus der Dritten Welt.“