17.05.2017

Großübung von Brand- und Katastrophenschutzkräften in Eisenhüttenstadt

Schreiende Verletzte im Zug, Qualm aus den Fenstern in der achten Etage eines Speichers und viele Brandherde im Wald – all das gehörte zur Großübung im Katastrophenschutz am vergangenen Samstag rund um Eisenhüttenstadt. 60 Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Rettungsdienst und weiteren Organisationen, die sich im Katastrophenschutz engagieren, waren im Stadtbild von Eisenhüttenstadt nicht zu übersehen. Immer wieder hallten die Sirenen durch die Straßen. Gemeinsam mit Feuerwehren aus dem Landkreis Celle übten die Einsatzkräfte aus dem Landkreis Oder-Spree vier verschiedene Szenarien. Die waren mit Bedacht gewählt, damit alle Kräfte zum Einsatz kamen. Über 330 Mitstreiter nahmen an der Übung teil.

Unterschiedliche Gefahrenszenarien bewältigt

Die begann anders als geplant mit einem realen Einsatz für die Feuerwehr Neuzelle. Die Kameraden wurden gleich am Morgen zu einem Verkehrsunfall bei Neuzelle gerufen. Zwei Schwerverletzte mussten dort gerettet werden. Erst danach konnte in das Übungsszenario eingestiegen werden: Nach langanhaltender Hitze und Trockenheit gab es Sturm, Blitzeinschläge, Starkregen. Viele Bäume waren umgestürzt und die Einsatzkräfte hatten im ganzen Kreis mit Hausbränden, Wasserfluten und Waldbränden zu tun. Auch der Raum Eisenhüttenstadt war betroffen. In der Nähe des Bahnhofs lagen Bäume auf den Schienen. Beim Auffahren eines Kesselwagens mit einer ätzenden und leicht entzündbaren Flüssigkeit auf einen umgestürzten Baum gab es ein Leck. Dazu Qualm, ein Verletzter am Boden liegend und die Gefahr der Explosion.

Die Gefahrensituation war weiträumig abgesperrt. Menschenrettung stand nun erst einmal vor allem anderen. Die Feuerwehrmänner unter Atemschutz und in voller Chemie-Schutzanzug-Montur kamen im Eiltempo und bargen den Verletzten. Am Kesselwagen stehen viele Zeichen und Zahlen. Sie geben an, welche Stoffe sich im Wagen befinden und geben dadurch den Feuerwehrleuten vor, welche Mittel sie einsetzen müssen, um die Gefahr zu beseitigen.

Noch während der Reparatur kam die nächste Meldung. Einige hundert Meter weiter war eine Regionalbahn mit einem Baum kollidiert. Der Zug war voll besetzt und es gab reihenweise Verletzte, dargestellt von Schülern des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Eisenhüttenstadt, die fachmännisch geschminkt waren und so den Rettungsdienst vor die Aufgabe stellten, einen Massenanfall von Verletzten zu versorgen. Mancher der Schüler landete sogar im Krankenhaus, das ebenfalls in die Übung eingebunden war.

Eine nächste Aufgabe verlangte einiges an körperlicher Fitness ab. Im Speicher am Kanal brannte es nach einem Blitzeinschlag in der 8. Etage. Die Feuerwehrleute mussten unter Atemschutz die Treppen hoch, es waren Menschen in Gefahr. Retten von Opfern aus großer Höhe und Brandbekämpfung in solcher Höhe lauteten die Aufgaben. Nicht zuletzt bedrohte bei Pohlitz ein Waldbrand das Umspannwerk. Um genügend Wasser zu haben, mussten die Einsatzkräfte eine Wasserleitung vom Kanal aus legen und zwei Kilometer überbrücken.

Solch eine Übungslage verlangt allerhand Organisation. Der Bahnverkehr musste weitergehen, aber es durfte auch kein Zug in die Gefahrenstelle einfahren. Die Güterzüge und der Regionalexpress 1 mussten langsam auf entfernt liegenden Gleisen die Gefahrenstelle passieren. Auch wurden Straßen gesperrt, damit die Einsatzfahrzeuge freie Fahrt hatten. Für die Einsatzkräfte aus allen Bereichen war höchste Konzentration gefragt. Und alle Szenarien wurden von Schiedsrichtern und Beobachtern genau unter die Lupe genommen. Schließlich soll im Ernstfall alles wie am Schnürchen laufen, was in einem Übungsszenario mitunter noch etwas zäh zu sein scheint.

Dezernent würdigt Ausbildungsstand der Einsatzkräfte

Warum aber nun gerade so eine Großübung? „Die Katastrophenschutzeinheiten müssen immer wieder bestimmte Abläufe und die Zusammenarbeit trainieren“, sagt Kreisbrandmeister Klaus-Peter Schulz. Darüber hinaus gibt es eine nun bereits 25 Jahre währende enge Zusammenarbeit im Katastrophenschutz mit dem Landkreis Celle. Alle zwei Jahre findet abwechselnd in den beiden Landkreisen eine gemeinsame Übung statt. Trotz oder gerade wegen der Entfernung von ca. 350 Kilometern gibt es viele positive Ansätze für das gemeinsame Üben. Schon allein das Fahren im Verband über lange Strecken will geübt sein, auch das Zusammenwirken mit fremden Einsatzkräften, die Orientierung im unbekannten Territorium ohne Ortskenntnisse. All das kann bei größeren Einsatzlagen überlebensnotwendig sein. „Die Einsatzkräfte haben alle einen guten Ausbildungsstand und haben die Aufgaben mit viel Engagement gelöst“, berichtet Michael Buhrke, der als Dezernent verantwortlich für den Katastrophenschutz ist.

Erfahrungsaustausch mit Kreisfeuerwehrbereitschaft Celle

Die Kameraden nutzen natürlich dieses Zusammentreffen auch immer wieder, um Erfahrungen auszutauschen, Freundschaften zu pflegen und am Abend gemeinsam über die Anekdoten des Tages zu lachen. Sogar die Landräte beider Kreise zeigten mit ihrer Anwesenheit die Bedeutung dieser Zusammenarbeit. Landrat Rolf Lindemann bedankte sich mit herzlichen Worten bei allen Kameraden für ihren Einsatz und die stete Bereitschaft zu helfen. „Vielen Dank vor allem auch an Ihre Familien, die Ihnen die Freiräume für diese wichtige Aufgabe geben“, ergänzt er anerkennend. Auch der Celler Landrat Klaus Wiswe schloss sich dem an und bekräftigte seinen Willen, auch in der Zukunft weiter diese Zusammenarbeit zu fördern.

Die Celler Kameraden brachen in den sonntäglichen Morgenstunden wieder in Richtung Heimat auf. Im Gepäck hatten sie viele Erfahrungen aus der Übung, die Freude über neue Freundschaften und die Gewissheit, auch in der Zukunft weiter mit den Kameraden aus dem Landkreis Oder-Spree den Ernstfall proben zu können.

Birgit Arendt
Leiterin der Bürgerinformations- und Medienarbeit im Katastrophenschutz