23.06.2018

Sonderausstellung auf der Burg Beeskow gibt Einblick ins Depot

Wegen Inventur geöffnet“ lautet der Titel einer neuen Sonderausstellung, die bis zum 25. November auf der Burg Beeskow gezeigt wird. In Form eines offenen Depots werden unter dem Dach des Ausstellungshauses weite Teile der ansonsten unsichtbaren Sammlung des Beeskower Regionalmuseums für die Öffentlichkeit sichtbar und erlebbar.

Erfahrbar wird, welche Objekte und Dokumente sich im Bestand befinden und was diese über unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erzählen können? Erfahrbar wird ebenso, welche Dinge, Themen, Medien und Erzählformen es darüber hinaus benötigt, um ein zeitgemäßes, lebendiges und kooperatives Museum der Region zu sein.

Nutzer sollen über Neustart des Museums mitverhandeln

Die Präsentation der musealen Dinge sowie eine begleitende Veranstaltungsreihe ist Ausgangspunkt einer öffentlichen Bestandsaufnahme, die Fragen nach künftigen Objekten, Themen und Ausstellungsformen des Museums aufwirft und diese gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern, Besucherinnen und Besuchern sowie Expertinnen und Experten beantworten möchte. Dazu sind fünf Veranstaltungen geplant.

Freitag, 20. Juli 2018, 19 Uhr: Im Regionalmuseum geht es um die Zukunft. Wir betrach­ten die Veränderung von Wirtschafts- und Sozialstruktur, von Mobilität und Baukultur wie durch ein lokales Prisma und sprechen anhand überlieferter Dinge über das Gestern, Heute und Morgen.

Samstag, 25. August 2018, 16 Uhr: Das Regionalmuseum öffnet Augen und Ohren.
Wie bringen wir das Erbe der Vorfahren zum Sprechen? Wie lernen wir, Dinge unserer Umwelt zu erkennen, zu benennen, zu interpre­tieren und darüber zu erzählen?

Freitag, 21. September 2018, 19 Uhr: Das Regionalmuseum erzählt immer wieder etwas anderes.
Veränderte Interessen, der Wandel medialer Formate oder des kulturellen Umfelds sollen sich in der künftigen Dauerausstellung widerspiegeln und diese lebendig halten.

Freitag, 19. Oktober 2018, 19 Uhr: Der Maßstab für das Regionalmuseum ist Augenhöhe.
Das Museum lebt von der Neugier der Besucherinnen und Besucher, ob Alt oder Jung - die Fähigkeiten, Begabungen und Neigungen auch der Kleinsten wollen wir ernst nehmen.

Sonntag, 25. November 2018, 16 Uhr: Das Regionalmuseum wird demokratisch.
Gelingt es uns, stets offen und beweglich zu bleiben, werden wir das Regionalmuseum nicht wiedererkennen: Von einem Ort der Belehrung und der Repräsentation wird es zu einem Ort kultureller Produktion und gemeinsamer Verständigung.

Wegen Inventur geöffnet“ wird begleitet durch eine wöchentliche Kolumne „Ding der Woche“ in der Märkischen Oderzeitung sowie auf Instagram unter #zukunft.ausstellen. Das Konzept, die Öffentlichkeit ganz bewusst in die Museumsarbeit einzubeziehen, hat die Ostdeutsche Sparkassenstiftung davon überzeugt, das Regionalmuseum Burg Beeskow mit dem diesjährigen Initiativpreis „Von den Depots zu den Menschen“ auszuzeichnen.

Zur Geschichte des Beeskower Museums

Vor 65 Jahren – als das Biologische Heimatmuseum auf der Beeskower Burg eröffnet wurde – gab es keinen Zweifel daran, was ein derartiges Haus zu leisten hatte. Geschichte und Naturkunde der Region öffentlich zu vermitteln, stand im Vordergrund des Neubeginns nach 1945. Dieser Ansatz war nicht neu. Bereits 1906 hatte Landrat Robert Rothe dazu aufgerufen, aus Anlass des großen Heimatfestes „Gegenstände, welche Altertums- oder Kunstwert besitzen, …, zu sammeln und so zu ordnen, daß sie dem Beschauer ein Bild vergangener Zeiten geben können“.

Der Werdegang des Beeskower Museums offenbart jedoch, dass es vor allem die Museologen selbst waren, deren Können und Ideenreichtum das Haus prägten. So gelingt es dem Biologie- und Chemielehrer Hermann Kempcke  durch moderne dreidimensionale Schaubilder, so genannte Dioramen, im neu gegründeten Museum mehr Interesse an der heimatlichen Natur zu wecken. Seine Nachfolgerin Margot Große-Wolf macht Beeskows Burg  populär, indem sie das Leben des nahe Beeskow geborenen Australienforschers Ludwig Leichhardt thematisierte  und dabei auch Kontakte zur australischen Botschaft nicht scheut. Auch der Kunst gibt sie erstmals eine Bühne, wobei sich vor allem die Burggalerie mit sehenswerten Ausstellungen hervortut.

Nach dem gesellschaftlichen Umbruch von 1989/90 setzt die neue Leiterin des seit Oktober 1992 benannten Regionalmuseums,  Frau Dr. Leonore Scholze-Irrlitz, neue Akzente: Erstmals recherchiert sie zur  Beeskower Nachkriegszeit, die unter anderem durch Flucht und Vertreibung bestimmt war. Danach sind es vor allem die Forschungsergebnisse Beeskower Lehrer wie Hans-Jürgen Richter und Klaus Koldrack, die in eine kulturgeschichtliche, nunmehr jedoch seit zwanzig Jahren unveränderte Ausstellung einfließen.

Studierende begleiten Erneuerungsprozess

Um die Beeskower Sammlung ist es jedoch mittlerweile still geworden. Das Bewahren, Sammeln, Forschen und Vermitteln – seine grundlegenden Aufgaben – verlaufen, wenn überhaupt, unbemerkt. In der Tat braucht das Museum einen Neustart, wobei diejenigen, für die es bestimmt ist, über dessen Zukunft mitverhandeln. Nach dem Motto „Stadt und Region machen Museum“ übernehmen dabei Expertinnen und Experten, Besucherinnen und Besucher, Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen Verantwortung für die Bewahrung ihres kulturellen Erbes  – wie z. B. Studierende der Visuellen Kommunikation an der weißensee kunsthochschule berlin, die von Beginn an diesem Erneuerungsprozess beteiligt sind.

Pressemitteilung Burg Beeskow (Auszug)