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Weihnachtsansprache des Landrates Rolf Lindemann

"Besinnung auf das, was wirklich zählt." Dies sollte in diesem schwierigem Jahr 2020 an erster Stelle stehen. Mit einer Videobotschaft richtet sich Landrat Rolf Lindemann an die Bürgerinnen und Bürger im Landkreises Oder-Spree.

Verehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich möchte Ihnen auch in diesem Jahr – oder vielleicht müsste ich besser sagen gerade in diesem Jahr – von Herzen ein frohes Weihnachtsfest wünschen – auch wenn ich spüre das mir dieser Wunsch nicht so leicht über die Lippen kommt, wie in den vergangenen Jahren.

An Weihnachten fällt viel von der Hektik des Alltags von uns ab. Dadurch sollte sich der bewusste Blick auf das weiten, was uns in den zurückliegenden Monaten persönlich berührt hat.

Das Jahr 2020 war alles andere als ein leichtes Jahr.

Wir hatten unterschiedlichste private aber auch berufliche Prüfungen waren zu bestehen - einzelne Herausforderungen dauern an oder werden uns auch in 2021noch beschäftigen.

Wir haben mit Blick auf die lebensbedrohlichen und existenzgefährdenden Pandemien Covid-19 und die in unserem Landkreis grassierende Afrikanische Schweinepest erkennen müssen, wir sind nicht Gott und kommen ihm trotz aller unserer technischen Möglichkeiten nicht einmal nahe.

Wir unterliegen schlicht den Naturgesetzen, weil wir nämlich Teil dieser Natur sind.

Für uns alle wurde deutlich, dass es keinen bequemen Weg zur Überwindung dieser Krisen gibt. So paradox es klingt - wir müssen unsere Freiheit einschränken, wenn wir schnell wieder unsere gewohnte Freiheit erlangen wollen. Den schnellen und bequemen Weg gibt es nicht. Und es hilft auch nichts, in unserer Verunsicherung mit dem Finger auf andere zu zeigen und Schuld zuzuweisen.

Wir wissen wie sich das Virus verbreitet nämlich ausschließlich durch menschliche Kontakte und deshalb kann auch die Bundeskanzlerin für unsere Misere nicht verantwortlich sein. Denn die wenigsten haben mit ihr direkt Kontakt.

Die Kontaktreduzierung ist im Moment das einzig verfügbare Instrument, um schnell und zwar flächendeckend den Trend zum weiteren Aufwuchs des Infektionsgeschehens zu brechen.

Wenn Kinder mit einer Situation überfordert sind, werfen sie sich auf den Boden und trommeln mit den Fäusten, so ähnlich nehme ich die Querdenker-Demonstrationen gegen die angeblichen Freiheitseinschränkungen im Moment wahr. - Als mündige Bürger sollten wir uns das eigentlich versagen.

Nach unserem Weltverständnis bedeutet Freiheit doch in erster Linie die Erstbeschränkung in Anerkennung der Verantwortung, die wir unseren Mitmenschen schulden.

Für uns war Corona bislang auch kein Weltuntergang – ja nicht einmal eine substantielle Freiheitseinschränkung. Wenn ich von Ärzten und Pflegekräften, vielen Selbstständigen und einzelnen Branchen, die in ihrer Existenz bedroht sind, einmal absehe, dann war es für viele Bürger allenfalls eine derbe Belästigung.

Ein Weltuntergang war es hingegen für jene 70 verstorbenen Bürgerinnen und Bürger die auch gerne ein unbeschwertes Weihnachten erlebt hätten aber dann dieser tückischen Krankheit erlegen sind.

Und denen, die von den schlimmsten Weihnachten seit 1945 reden, denen sei gesagt:  Sie haben offensichtlich diese Zeit weder miterleben müssen noch haben ihre Eltern oder Großeltern Ihnen verdeutlicht, was wahre Not und Entbehrung damals bedeuteten.

Schon der Verweis ist deshalb deplatziert. Wir haben 75 Jahre nach dem Ereignis weder noch Hunger noch blicken wir auf unvorstellbare Verbrechen oder Kriegsgräuel.

Die alleinerziehenden Mütter unserer Tage müssen sich nicht das Notwendigste zum Leben zusammenbetteln, weil sie etwa nur wenige Habseligkeiten auf der Flucht aus Ostpreußen retten konnten und jetzt mit ihren Kindern vor dem Nichts stehen. Unsere Alleinerziehenden machen einen Betreuungsanspruch für ihre Kinder in Kita und Hort geltend und unser Sozialstaat hat dies auch im Rahmen seiner Möglichkeiten in den allermeisten Fällen sicherstellen können.

Wir alle haben ein Dach über dem Kopf. Unsere Heizung funktioniert und uns stehen sowohl Strom als auch Wasser nach Wunsch zur Verfügung.

Stress bereitet uns nicht der Mangel, sondern eher das Überangebot in seiner Vielfalt.

Wir sollten deshalb aus unserer komfortablen Perspektive etwas demütiger auf Weihnachten schauen und es nicht so sinnentfremdet überhöhen.

Diejenigen die Weihnachten in seinem ursprünglichen Sinne verstehen, werden von Weihnachten auch das erlangen was sie sich von ihm erwarten. Die Welt wird für Sie lichter werden und die Hoffnung vertreibt auch manch trüben Gedanken. Besinnung auf das, was wirklich zählt, nämlich sich in Übereinstimmung zu wissen mit vielen Menschen, denen man sich verbunden fühlt, genau daraus erwachsen Lebensqualität, Sinn und Zufriedenheit – ja sogar Glück.

Und gerade in diesem schwierigen Jahr 2020 brauchen wir diese Weihnachtsbotschaft dringlicher als je zuvor. Deshalb bleibt es dabei: ich wünsche Ihnen von Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Medieninformation Landkreis Oder-Spree

Datum: 23. Dezember 2020