03.12.2015

Kreistag votiert für Übernahme des Dokumentationszentrums

Mit deutlicher Mehrheit haben die Abgeordneten des Kreistages Oder-Spree dafür gestimmt, dass der Landkreis Oder-Spree ab dem 1. Januar 2016 das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt betreibt. Die Entscheidung war erforderlich geworden, da die Stadt Eisenhüttenstadt aufgrund ihrer schwierigen Haushaltssituation aus der Finanzierung des Dokumentationszentrums ausgestiegen war.

Sammlung umfasst 160.000 Objekte zur Alltagskultur der DDR

„Ich freue mich über das klare Votum ohne Gegenstimmen und mit nur wenigen Enthaltungen. Das ist ein guter Auftakt für den geplanten Neustart“, sagte Dr. Ilona Weser, 1. Beigeordnete des Landrates und Dezernentin für Bildung, Gesundheit und Soziales, nach der Abstimmung am Mittwochabend in Beeskow. Vorausgegangen waren dem Beschluss aufwendige und langwierige Verhandlungen zwischen dem Land Brandenburg, dem Landkreis Oder-Spree und der Kommune Eisenhüttenstadt. Nach der ausgehandelten Vereinbarung geht die rund 160.000 Objekte umfassende Sammlung des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR als Schenkung an den Landkreis Oder-Spree über. Die Finanzierung der Einrichtung sichern ab 2016 das Land mit jährlich bis zu 150.000 Euro und der Landkreis, der den nach Spenden und Einnahmen erforderlichen restlichen Betrag zum Gesamtetat von 225.000 Euro beisteuert. Zudem wird der Landkreis Betreiber der Einrichtung.

Das 1993 entstandene Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR befindet sich in einer ehemaligen Eisenhüttenstädter Kinderkrippe in der Erich-Weinert-Allee 3, inmitten des größten Flächendenkmals Deutschlands. In den Anfangsjahren war es die einzige Institution deutschlandweit, die Alltagsgegenstände aus der DDR gesammelt hat.

Einrichtung in Eisenhüttenstadt soll überregional bekannter werden

Wesentlich für die künftige inhaltliche Arbeit des Dokumentationszentrums werde die „Bewertung und Kontextualisierung der überlieferten historischen Objekte und Dokumente“ sein, heißt es im Beschluss des Kreistages. Ziel sei eine bessere Verankerung des Dokumentationszentrums in der gesamten Region, unter anderem durch die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, durch thematische Ausstellungen auch an anderen Standorten und die Einbeziehung des Hauses in Stadtführungen sowie geschichts-touristische Angebote. „Wichtig ist uns auch die weitere Forschung zu den Schätzen in dieser Sammlung“, betont Dr. Ilona Weser. Es gehe darum, einseitige Betrachtungsweisen zu verhindern und die Heterogenität des Lebens in der DDR aufzuzeigen. So bestehe die Chance, das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt zu einem Alleinstellungsmerkmal für Eisenhüttenstadt zu entwickeln, das überregional Aufmerksamkeit findet.

Kulturministerin begrüßt Entscheidung des Kreistages Oder-Spree

Sabine Kunst, Kulturministerin des Landes Brandenburg, begrüßt den Beschluss des Kreistags Oder-Spree zur Übernahme der Trägerschaft des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR. „Das Dokumentationszentrum ist auf einem guten Weg, sich zu einem wichtigen und überregionalen Ort der Aufarbeitung der DDR-Geschichte und der Auseinandersetzung mit Herrschaft und Alltag in der DDR zu entwickeln. Wichtige Aspekte sind dabei auch die Einbeziehung der Geschichte der sozialistischen Planstadt Eisenhüttenstadt und die Aufarbeitungs- und Bildungsarbeit.“ Eine sachgemäße historische Aufarbeitung und differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema DDR sei insbesondere für kommende Generationen wichtig, die die DDR nicht mehr selbst erlebt haben.

Medieninformation Landkreis Oder-Spree