13.05.2016

Landkreis gibt sich Leitfaden für Integrationsprozess

Die Abgeordneten des Kreistagsausschusses für Soziales und Gesundheit waren in dieser Woche die Ersten, die das Integrationskonzept für den Landkreis Oder-Spree in den Händen hielten. Auf 140 Seiten listet der Leitfaden Eckpunkte für die Aufnahme von Flüchtlingen im Landkreis auf. Über 2.000 Menschen aus verschiedensten Ländern haben allein in den zurückliegenden zwei Jahren hier Zuflucht gesucht. Wie für diejenigen, die als Asylberechtigte oder Flüchtlinge anerkannt werden, aus dem Leben unter uns ein Leben mit uns werden kann, dafür liefert das jetzt vorliegende Integrationskonzept Ideen.

Amt für Ausländerangelegenheiten und Integration gebildet

„Wir haben damit einen Rahmen für unsere eigenen Planungen in der Verwaltung, aber auch eine Orientierung für unterschiedlichste Akteure im Integrationsprozess", sagte Katja Kaiser, die als kommissarische Amtsleiterin an der Spitze des in der Kreisverwaltung neu gebildeten Amtes für Ausländerangelegenheiten und Integration steht. Die sich noch im Aufbau befindende Organisationseinheit soll einmal etwa 40 Stellen umfassen und wird aus den Sachgebieten Unterbringung, soziale Leistungen für Asylbewerber sowie der Ausländerbehörde bestehen. Allein durch Verwaltungshandeln könne die Integration der neuen Mitbürger nicht gelingen, jeder persönlich könne sich dabei einbringen, betonte Katja Kaiser.

Zum Download (2,54 MB): Integrationskonzept für den Landkreis Oder-Spree

„Die Integration ist hier im Landkreis auf einem guten Weg", schätzte Rolf Lindemann, 2. Beigeordneter und Dezernent für Soziales, Grundsicherung und Integration ein. Der Landkreis Oder-Spree müsse sich da nicht verstecken und habe den ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung Engagierten sehr viel zu verdanken. Das jetzt vorliegende Konzept sieht deshalb auch eine Stärkung der Ehrenamtszentralen als Koordinator ehrenamtlicher Initiativen vor. Darüber hinaus ist die Erarbeitung einer Förderrichtlinie geplant, auf deren Grundlage Auslagen für ehrenamtliche Tätigkeit wie Fahrkosten oder Raummieten erstattet werden können.

Zweistufiges Verfahren bei der Unterbringung vorgesehen

In diesem Jahr hat der Landkreis bislang rund 600 Flüchtlinge aufgenommen. In einer eigenen Prognose geht die Kreisverwaltung von bis zu 1.500 Menschen aus, die 2016 in Oder-Spree Schutz suchen. Bei ihrer Unterbringung wird im Integrationskonzept ein zweistufiges Verfahren präferiert. In einem ersten Schritt ist die zentrale Unterbringung der zugewiesenen Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften vorgesehen. Dort sollen sie zum selbstbestimmten Wohnen befähigt und dann dezentral in Einzelwohnungen untergebracht werden. „Angestrebt wird eine kreisweite Verteilung bei der Faktoren wie Infrastruktur, soziales Umfeld oder die zur Verfügung stehenden Wohnungen Berücksichtigung finden", erläuterte Katja Kaiser. Derzeit verfügt der Landkreis über rund 700 Plätze in Gemeinschaftsunterkünften und mehr als 200 Wohnungen stehen für die Unterbringung der Flüchtlinge zur Verfügung.

Einen höheren Standard als gesetzlich vorgeschrieben setzt der Landkreis Oder-Spree bei der sozialen Begleitung der neu Angekommenen mit einem Personalschlüssel von einem Sozialbetreuer auf 60 Flüchtlinge. Dieser Richtwert findet bereits Anwendung. Die Betreuung vor Ort organisiert der Landkreis über unterschiedliche soziale Träger. Zur Gewährleistung eines einheitlich hohen Niveaus der Arbeit der Träger ist die Einführung eines Qualitätsmanagements geplant.

Kreisverwaltung finanziert Begrüßungskurse

Nachholbedarf sieht das Amt für Ausländerangelegenheiten und Integration beim koordinierten Zugang zu Sprachkursen. Der Landkreis selbst stellt finanzielle Mittel für Begrüßungskurse zur Verfügung, die sich an die in Gemeinschaftsunterkünften wohnenden Personen richten. Diese Basissprachförderung hat einen Umfang von maximal 200 Unterrichtseinheiten und soll zur einfachen Kommunikation in Alltagssituationen befähigen. Bis zur Arbeitsmarktintegration, die, so Rolf Lindemann, letztlich über den Erfolg der Integration entscheide, sei es dann noch ein weiter Weg.

Insgesamt werden im Integrationskonzept acht Handlungsfelder von der Unterbringung über Bildung und Sprache bis zur Integration in Ausbildung und Arbeit skizziert. „Das ist kein Papier für die Schublade und nichts Feststehendes", hob Katja Kaiser am Dienstag im Kreistagsausschuss für Soziales und Gesundheit hervor und forderte ausdrücklich dazu auf, das Konzept mit Hinweisen und Anregungen zu bereichern. Per E-Mail erreichen Sie das neue Fachamt unter der Adresse integration@l-os.de

Medieninformation Landkreis Oder-Spree