An die Mitarbeiter des Standorts Fürstenwalde, Haus 1
Verehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
mir ist seitens der Personalamtsleiterin, Frau Handreck und in einer Rücksprache mit dem Personalrat vorgetragen worden, dass es Einwände von einzelnen Kolleginnen und Kollegen dagegen gibt, dass der Landkreis eine Covid-19 Teststelle in der dritten Etage unseres Verwaltungsgebäudes am Bahnhof 1E einrichtet. Diesen Einwand nehme ich zur Kenntnis. Ich werde aber die von den Verantwortlichen getroffene Organisationsentscheidung in keiner Weise infrage stellen. Dies auch deshalb, weil die von den Petenten gegebene Begründung, man wolle nicht, dass hier Infizierte durchs Haus trampeln, einen Angehörigen des öffentlichen Dienstes schlicht disqualifizieren. Ich habe bereits mehrfach auf schriftlichen und mündlichen Wege dargelegt, dass beim Einsatz der Mitarbeiter in der Krisenbewältigung nicht nach Zuständigkeiten gefragt wird, sondern nach Fähigkeiten.
Wir alle haben in dieser Pandemie seit einem Jahr immer wieder Situationen zu bestehen, bei denen auch im Hinblick auf die Eigengefährdung ein mulmiges Gefühl zurückbleibt. Das auszuhalten, wird von uns aber schlicht verlangt. Ich verweise diesbezüglich nur darauf, was wir Feuerwehrkameraden täglich zumuten, wenn sie Einsätze auch unter Gefährdung eigener Gesundheit, ja sogar des Lebens zu bestehen haben.
Wer das nicht ertragen kann, hat die falsche Entscheidung hinsichtlich seines Arbeitgebers getroffen. Wir alle haben die Freiheit, diese Entscheidung jederzeit zu korrigieren.
Ich nehme den Unmut aber insofern ernst, als Sie selbstverständlich einen Anspruch darauf haben, in angemessenem Umfang auch über Organisationentscheidungen, unabhängig davon, ob sie persönlich betroffen sind, informiert zu werden. Das möchte ich mit diesem Schreiben im Nachgang tun.
Die Dezernentin, Frau Zarling, und ich wurden am 5. März, also am vergangenen Freitag und zwar nachmittags durch den interministeriellen Krisenstab im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz damit konfrontiert, dass die Zusage des Bundesministers Jens Spahn, jeder Bürger könne ab Montag, den 8. März, einen Anspruch auf einen kostenlosen Covid-Antigen-Schnelltest gegenüber den Gesundheitsämtern geltend machen, unverzüglich umzusetzen sei. Deshalb haben sich der Not gehorchend, die bewährten Organisationstalente dieser Verwaltung umgehend an die Aufgabe begeben, in den vier Verwaltungsstandorten des Landkreises Oder-Spree Beeskow, Fürstenwalde, Eisenhüttenstadt und Erkner die Teststellen nach den Vorgaben der Bundesregierung aufzubauen.
Gemessen an dem umfassenden Anspruch der Bürger ist diese Struktur unter dem Aspekt der zumutbaren Erreichbarkeit sicherlich kein Optimum. In der Telefonschaltkonferenz mit dem Land waren größere Hoffnungen auch auf den Einbezug der Apotheken gesetzt worden. Die Stellungnahmen der Verbands- bzw. Kammervertreter waren in dieser Hinsicht aber gelinde gesagt enttäuschend. Insofern ist der Landkreis gefordert.
Das Procedere wird sich wie folgt gestalten: Wir werden in der Zeit zwischen 7:00 und 11:00 Uhr zunächst an fünf Tagen in der Woche auf Online-Terminabstimmung, später dann auch auf telefonische Absprache Bürger auf Covid-19 testen. Diese Teststrategie ergänzt die weiteren Schutzmaßnahmen der Kontaktpersonennachverfolgung, die angesichts steigender Inzidenzzahlen im Gesundheitsamt wieder hochgefahren wird. Daneben besteht die weitere Säule des Impfens - gegenwärtig allerdings nur in den Impfzentren, ab Mitte April voraussichtlich aber ebenso in den Arztpraxen.
Verehrte Kolleginnen und Kollegen, wir alle wollen möglichst schnell zum normalen Alltag zurückkehren. Und wir wissen inzwischen ebenfalls alle, dass das Infektionsgeschehen nur dann aufflammen kann, wenn wir Schutzmaßnahmen ignorieren oder nicht ernsthaft beachten. Wir haben es darüber hinaus zunehmend mit hochinfektiösen Mutationen zu tun, die uns schnell wieder in Inzidenzbereiche bringen können, bei denen wir verschärfte Lockdown-Maßnahmen erneut entgegengehen könnten. Zudem ist zu beachten, dass, wenn wir die Herdenimmunität bis Ende Sommer nicht hinbekommen, wir im kommenden Winter die gleichen Bilder sehen, wie in den zurückliegenden Monaten.
Um auch unter diesen schwierigen Bedingungen persönliche Kontakte im engeren familiären Bereich, insbesondere mit besonders gefährdeten Menschen zuzulassen und darüber hinaus das öffentliche Leben nicht vollständig lahmlegen zu müssen, ist die Teststrategie ein sinnvoller Baustein, um uns alle zu schützen. Wir wissen auch, dass ein solcher Schnelltest nur eine relative Sicherheit für sechs bis acht Stunden vermittelt. Trotzdem haben wir keine Wahl, wir müssen jede Eindämmungschance nutzen.
Unsere Teststelle wird also von Bürgerinnen und Bürgern – unter Umständen auch von Ihnen – aufgesucht werden, weil sie sichergehen wollen, dass sie etwa ältere Verwandte bei einem Besuch nicht infizieren, bzw. werden sich Bürger testen lassen, die die Befürchtung haben, dass ihre Kinder aus Schule oder Kita, obwohl sie bis jetzt keine Krankheitsanzeichen gezeigt haben, das Virus in den heimischen Bereich hineintragen könnten.
Eines ist ebenfalls klar: Sollten Tests positiv ausfallen, wird sofort ein PCR-Test nachgeschaltet und eine häusliche Absonderung verfügt. Dabei kann es sicherlich zu flüchtigen, aber bei Einhaltung der Schutzmaßnahmen unproblematischen, Begegnungen im Treppenhaus kommen, da die Betreffenden sicherlich nicht den Weg über das Fenster wählen werden.
Eine größere Bedeutung könnte das Testgeschehen bekommen, wenn der negative Test als Eintrittskarte für das Betreten von Ladengeschäften oder Kulturveranstaltungen dient. Dieses Bedürfnis wird sich ab 22. März sicherlich stärker zeigen, wenn weitere Lockerungen greifen.
Was die Anordnung der Teststrecke im Versammlungsraum in der dritten Etage anbelangt, haben wir ebenfalls auf Einwände anderer Mitarbeiter reagiert, die im Erdgeschoss ihre Probleme sahen. Insofern haben wir auf die dritte Etage optiert. Wie lange wir dort testen werden, hängt von der Entwicklung des Testgeschehens ab, aber auch von den sonstigen Ausweichmöglichkeiten.
Dass diese Information sie nur parallel zur Einrichtung der Teststrecke erreichen kann, bitte ich zu entschuldigen. Ich weiß aber, dass Frau Zarling am gestrigen Tage bereits die Verantwortlichen am Standort über das Vorhaben ins Bild gesetzt hat. Darüber hinaus verweise ich auch auf das tägliche Briefing der Verwaltungsleitung. Wenn Sie sich uninformiert fühlen, so sollten Sie über ihre Vorgesetzten versuchen, die Unterbrechungen in der Informationskette aufzuspüren.
Ich erlaube mir auch den Hinweis darauf, dass wir parallel zu diesen Anstrengungen uns seit sechs Wochen um das Thema Impfen zu kümmern haben. Unser Impfkonzept liegt seit sechs Wochen zur Genehmigung im Gesundheitsministerium und wir werden fast täglich mit neuen Rahmenbedingungen konfrontiert. Daneben bearbeitet das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt die Afrikanische Schweinepest, mit etwa dem gleichen Personaleinsatz, der für die Coronabekämpfung erforderlich geworden ist. Das bedeutet, dass wir unter Einbezug der Bundeswehr phasenweise 400 Personen im Einsatz haben. Von den anderen Herausforderungen wollen wir da gar nicht reden. Insofern verstehen Sie sicherlich das ich über Fragen, die den Anlass zu den vorstehenden Ausführungen gegeben haben, wenig begeistert bin.
Mit kollegialen Grüßen
Landrat Rolf Lindemann
Datum: 11. März 2021