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Landrat Frank Steffen erinnert sich an Kriegsgeschehnisse in Grünheide

Lothar Runge, Vorstand des Heimatvereins Grünheide, gibt Landrat Frank Steffen einen Überblick auf die Ereignisse in Grünheide während des Zweiten Weltkriegs © Timo Kinzel Lothar Runge, Vorstand des Heimatvereins Grünheide, gibt Landrat Frank Steffen einen Überblick auf die Ereignisse in Grünheide während des Zweiten Weltkriegs

Vor zwei Wochen startete Landrat Frank Steffen in Fürstenwalde seine Gedenktour durch den Landkreis Oder-Spree zur Erinnerung an das Kriegsende vor 80 Jahren. Am Mittwoch, den 26. März besuchte er nun die Gemeinde Grünheide und informierte sich an zwei Gedenkorten über das lokale Geschehen während des Nationalsozialismus.

Empfangen wurde Steffen in der Heimatstube des Heimatvereins Grünheide (Mark) e.V.. Hier führten die Vorstandsmitglieder des Vereins Lothar Runge, Walter Märtins und Thomas Wötzel den Landrat durch eine Ausstellung zur Grünheider Geschichte während der NS-Diktatur.

„Ein besonders dunkles Kapitel in Grünheide war das Außenlager des KZ-Sachsenhausen. Es war von April 1944 bis Februar 1945 in Betrieb. Unter den bis zu 180 Häftlingen befanden sich Deutsche, Russen, Ukrainer, Franzosen, Belgier und Norweger. Zum Ende des Krieges waren hier noch 65 Personen interniert, die nach der Räumung in das Hauptlager nach Sachsenhausen und von dort zum Teil auf einen Todesmarsch nach Mecklenburg geschickt wurden“, berichtete Lothar Runge.

Die Vorstandsmitglieder des Heimatvereins Lothar Runge und Thomas Wötzel erklären Frank Steffen die Hintergründe zu einem KZ-Außenlager in Grünheide © Timo Kinzel Die Vorstandsmitglieder des Heimatvereins Lothar Runge und Thomas Wötzel erklären Frank Steffen die Hintergründe zu einem KZ-Außenlager in Grünheide

Zweck des Lagers war die Herstellung von Propagandamaterial wie zum Beispiel Flugblätter für die Kriegsberichterstattung. Noch viele Jahre nach Kriegsende wurden die benutzten Druckplatten in Grünheide gefunden. Nach Räumung des Lagers wurden dort Flüchtlinge einquartiert. Bei einem Luftangriff am 18. März 1945 wurde noch mindestens eine Person in dem Lager getötet, erfuhr Frank Steffen weiter. Ein weiteres Gefangenenlager für 300 italienische Militärinternierte war im Ortsteil Fangschleuse errichtet worden. Die dortigen Gefangenen sollten entweder der Zwangsarbeit in lokalen Betrieben zugeführt oder in deutsche Kampfverbände eingegliedert werden.

Wie Walter Märtins ergänzte, starben in Grünheide insgesamt rund 100 Personen im Zuge des Zweiten Weltkriegs unter anderem auch durch Alliierten-Angriffe sowie Suizide. In Massengräbern auf dem Friedhof am Kellerberg sowie in der Altbuchhorster Burgwallstraße wurde ein Teil der Toten nach Kriegsende beigesetzt.

Doch Grünheide war auch Schauplatz anderer Ereignisse der NS-Herrschaft. So war eine ehemalige Gewerkschaftsschule 1933 enteignet und anschließend als Führerschule der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation (NSBO) genutzt worden. Ebenfalls in den 30er Jahren zogen bereits regelmäßig SA-Gruppen aus Berlin durch den Ort, belästigten Juden und griffen lokale Kommunisten an. Schließlich kam es auch in Grünheide im November 1938 in der Reichsprogromnacht zu Angriffen auf Juden und Brandanschlägen auf ihre Häuser.

Des Weiteren gab es eine chemisch-pharmazeutische Fabrik in Grünheide, in der das Medikament „Azoangin“ hergestellt wurde. Hierbei handelte es sich um eine Art Dopingmittel zur Erhöhung der Kampfkraft der deutschen Soldaten. Die Einrichtung wurde großzügig finanziell durch das NS-Regime unterstützt und ihre Betreiber, Dr. med Hubold und Bartsch waren aktive Propagandisten der Nazi-Ideologie. Darüber hinaus kam NS-Propagandaminister Joseph Goebbels regelmäßig nach Grünheide um sich dort in einem extra errichteten Blockhaus am Waldeck mit Vertrauten zu treffen.

Landrat Frank Steffen und Lothar Runge am Denkmal für Verfolgte des Naziregimes in Grünheide © Timo Kinzel Landrat Frank Steffen und Lothar Runge am Denkmal für Verfolgte des Naziregimes in Grünheide

Im Anschluss an die Besichtigung der Heimatstube begab sich Frank Steffen mit den Mitgliedern des Heimatvereins zum Grünheider Denkmal für Verfolgte des Naziregimes, welches sich auf dem ehemaligen Gelände des KZ-Außenlagers befindet. Dort gedachten die Anwesenden noch einmal gesondert den Opfern des Faschismus.

Landrat Frank Steffen: „Ich bin sehr dankbar, dass es solch engagierte Ortschronisten wie hier in Grünheide gibt, die sich darum kümmern, die Geschichte aufrecht zu erhalten. Da die Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs immer weniger werden ist es gerade in der heutigen Zeit, wo wieder ein Krieg in Europa stattfindet und wir nationalistische Bewegungen beobachten, wichtig, die richtigen Rückschlüsse aus den tragischen Ereignissen auch hier in unserem Landkreis zu ziehen.“

Am 2. April wird Frank Steffen seine Gedenktour in Hartmannsdorf fortsetzen, wo ein Denkmal an ein SS-Massaker an der lokalen Bevölkerung erinnert.

Datum: 28. März 2025