Landkreis Oder-Spree führt MedEx erfolgreich fort
Mit Exkursionen gegen den Ärztemangel – Medizinstudierende erleben hautnah, was ländliche Medizin zu bieten hat
Die ambulante medizinische Versorgung im ländlichen Raum steht unter Druck. In Brandenburg waren 2020 rund ein Drittel der niedergelassenen Haus- und Fachärzte 60 Jahre oder älter – ein deutliches Signal, dass in den kommenden Jahren zahlreiche Stellen neu besetzt werden müssen. Der Landkreis Oder-Spree hat darauf frühzeitig reagiert und 2024 ein Eigengewächs ins Leben gerufen: die MedEx.
Was ist die MedEx?
MedEx steht für Medizin-Exkursion. Das vom Amt für Kreisentwicklung und Infrastruktur des Landkreises Oder-Spree organisierte Programm lädt Studierende der Humanmedizin ein, den Landkreis als konkreten Lebens- und Arbeitsort kennenzulernen. In zweitägigen Exkursionen werden Krankenhäuser, Ärztehäuser und andere medizinische Einrichtungen besucht. Ergänzend dazu gibt es Gespräche mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie Personalverantwortlichen – und Einblicke in das, was die Region auch jenseits des Berufsalltags zu bieten hat: Natur, Lebensqualität, bezahlbarer Wohnraum.
Das Besondere an diesem Format ist sein praktischer Anspruch: Statt abstrakter Werbung für den ländlichen Raum setzen die Verantwortlichen auf direkte Begegnung. Die Studierenden sollen vor Ort selbst ein Bild gewinnen – von den Einrichtungen, von den Menschen, die dort arbeiten, und von der Region. Verpflegung und Übernachtung übernimmt der Landkreis; begleitet werden die Teilnehmenden von Mitarbeitenden des Amtes für Kreisentwicklung.
Bedeutung für den Landkreis Oder-Spree
Oder-Spree ist mit einer Fläche von rund 2.250 km² und gut 180.000 Einwohnern einer der flächengrößten Landkreise Brandenburgs. Die Dichte an niedergelassenen Fachärztinnen und -ärzten ist im Vergleich zu städtischen Gebieten deutlich geringer. Der Landkreis setzt deshalb auf Nachwuchsgewinnung so früh wie möglich – idealerweise noch während des Studiums, bevor junge Medizinerinnen und Mediziner ihre berufliche Weichenstellung endgültig treffen.
Die MedEx ist dabei kein Ersatz für strukturelle Maßnahmen, sondern eine Ergänzung: Sie zielt darauf ab, bestehende Vorurteile gegenüber dem Landarztsein abzubauen und konkrete Kontakte zu knüpfen. Als fachlicher Partner ist die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) regelmäßig eingebunden, die nicht nur die Rahmenbedingungen ambulanter Versorgung erläutern kann, sondern auch über Niederlassungsförderung und Praxisbörsen informiert.
Flankiert wird die MedEx auf Landesebene durch das Brandenburgische Landärztestipendium, das von der KVBB vergeben wird: Studierende können monatlich bis zu 1.000 Euro für bis zu 75 Monate erhalten, wenn sie sich verpflichten, nach Studium und Facharztausbildung mindestens fünf Jahre in einer unterversorgten Region Brandenburgs zu praktizieren, https://www.kvbb.de/praxiseinstieg/studium-weiterbildung/landaerztestipendium
Die MedEx 2026 – dritte Runde im Großraum Eisenhüttenstadt
2026 fand die MedEx zum dritten Mal statt. Seit dem Start 2024 werden dabei die zwei Großräume des Landkreises in den Blick genommen: Beeskow und Eisenhüttenstadt. In der aktuellen Runde besuchten drei Studierende der Humanmedizin über zwei Tage medizinische Einrichtungen im Großraum Eisenhüttenstadt – darunter das Städtische Krankenhaus Eisenhüttenstadt, ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) sowie ambulante Arztpraxen.
Neben den Einrichtungsbesuchen stand der persönliche Austausch im Mittelpunkt: Gespräche mit praktizierenden Ärztinnen und Ärzten, mit Praxis- und Klinikleitungen und – erneut – mit Vertreterinnen und Vertretern der KVBB. Die Studierenden erhielten so sowohl einen Einblick in den Berufsalltag als auch in die konkreten Möglichkeiten der Facharztweiterbildung vor Ort.
Das Feedback der Teilnehmenden zeigt: Der Landkreis Oder-Spree ist für angehende Medizinerinnen und Mediziner durchaus interessant. Eine zentrale Voraussetzung für eine Niederlassung bleibt jedoch die Verfügbarkeit geeigneter Weiterbildungsstellen in der Facharztausbildung in der Region – ein Punkt, den der Landkreis gemeinsam mit Partnern wie der KVBB weiter ausbauen will.
Teilnahme an der MedEx – Voraussetzungen und Bewerbung
Voraussetzung für die Teilnahme ist ein laufendes Humanmedizin-Studium mit bestandenem Physikum.
https://www.landkreis-oder-spree.de/Politik-Landkreis/Kreisentwicklung/MedEx/
Eine Verpflichtung zur späteren Niederlassung im Landkreis besteht nicht – die MedEx ist bewusst als offenes Kennenlernformat ohne Bindungsdruck konzipiert.
Bewerbungen sind online über das Formular auf der Website des Landkreises möglich.
https://www.landkreis-oder-spree.de/bewerbung-medex, alternativ per E-Mail an sandra.jakobitz@l-os.de oder kreisentwicklung@l-os.de. Bei Fragen steht das Amt für Kreisentwicklung und Infrastruktur telefonisch unter 03366 / 35-1613 zur Verfügung.
Ausblick
Die MedEx hat sich in kurzer Zeit als fester Bestandteil der Nachwuchsstrategie des Landkreises etabliert. Ob aus einem Kurzbesuch langfristige berufliche Verbindungen entstehen, lässt sich noch nicht abschließend beurteilen – dazu ist das Programm noch zu jung. Klar ist aber: Die Richtung stimmt. Wer zukünftige Ärztinnen und Ärzte für den ländlichen Raum gewinnen will, muss früh ansetzen, persönlich werben und konkret zeigen, was die Region zu bieten hat. Genau das tut die MedEx.
Datum: 3. August 2026