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Gewalt gegen Frauen: Landkreis Oder-Spree setzt ein Zeichen in Orange

Ausstellungen, Lesungen, Aktionen und konkrete Hilfsangebote rund um den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November 2026

Orange-Day-2026 © UN Women

Alle vier Minuten wird in Deutschland eine Frau Opfer von Partnerschaftsgewalt. Alle zwei bis drei Tage wird eine Frau durch ihren Partner oder ehemaligen Partner getötet. Zahlen, die erschüttern und deutlich machen: Gewalt gegen Frauen ist kein Randphänomen, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November setzt der Landkreis Oder-Spree gemeinsam mit den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten und den Trägern der Frauenhäuser ein sichtbares Zeichen. Unter dem internationalen Motto „Orange the World“ machen verschiedene Veranstaltungen und Aktionen auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam, sensibilisieren für das Thema und zeigen konkrete Hilfsangebote auf.

Gewalt gegen Frauen: Die Zahlen sind alarmierend

Gewalt gegen Frauen zählt weltweit zu den am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen. Auch in Deutschland ist das Ausmaß erheblich.
Nach Angaben des Bundeskriminalamtes wurden im Jahr 2024 insgesamt 135.713 Frauen als Opfer von Partnerschaftsgewalt registriert. Das entspricht rechnerisch rund 372 Frauen täglich. 132 Frauen wurden durch ihren aktuellen oder ehemaligen Partner getötet – durchschnittlich eine Frau alle 66 Stunden.

Auch sexualisierte und digitale Gewalt sind weit verbreitet. Mehr als 53.000 Frauen und Mädchen wurden 2024 als Opfer von Sexualstraftaten erfasst. Fast die Hälfte von ihnen war minderjährig. Hinzu kommen 18.224 registrierte weibliche Opfer digitaler Gewalt, etwa durch Bedrohungen, Stalking oder Nötigung im digitalen Raum.

Quelle: UN Women Deutschland – Gewalt gegen Frauen in Deutschland | www.unwomen.de/gewalt-gegen-frauen-in-deutschland 


Dabei bilden die polizeilichen Statistiken nur einen Teil der Realität ab. Viele Gewalttaten werden nicht angezeigt und bleiben im sogenannten Dunkelfeld. Die Dunkelfeldstudie LeSuBiA verdeutlicht, dass die tatsächliche Verbreitung von Gewalt erheblich größer ist, als die polizeilich erfassten Zahlen vermuten lassen.

Quelle: Bundeskriminalamt – Dunkelfeldstudie LeSuBiA | www.bka.de


Die Zahlen zeigen: Gewalt gegen Frauen findet nicht irgendwo statt. Sie geschieht mitten in unserer Gesellschaft – auch in unserem unmittelbaren Umfeld.

Warum Orange? Ein Zeichen für eine Zukunft ohne Gewalt

Der 25. November ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, häufig auch „Orange Day“ genannt.
Die Farbe Orange wurde von den Vereinten Nationen bewusst gewählt. Sie steht für Hoffnung, Sichtbarkeit und Solidarität – und symbolisiert eine Zukunft, in der Frauen und Mädchen frei von Gewalt leben können. Der Aktionstag erinnert an die drei Schwestern Patria, Minerva und María Teresa Mirabal, die am 25. November 1960 in der Dominikanischen Republik aufgrund ihres Widerstands gegen die Diktatur von Rafael Trujillo ermordet wurden.
1999 erklärten die Vereinten Nationen den 25. November offiziell zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen.

Heute bildet dieser Tag den Auftakt der weltweiten Kampagne „Orange the World“. Bis zum 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, machen 16 Aktionstage auf geschlechtsspezifische Gewalt aufmerksam. Orange steht dabei nicht für die Gewalt, sondern für die Zukunft, die wir erreichen wollen: eine Welt ohne Gewalt gegen Frauen.

Quelle: UN Women Deutschland – Orange the World | www.unwomen.de/orange-the-world


Gemeinsam sichtbar werden: Veranstaltungen im Landkreis Oder-Spree

Auch im Landkreis Oder-Spree wird das Thema mit verschiedenen Veranstaltungen und Aktionen in die Öffentlichkeit getragen. Ziel ist es, aufzuklären, für unterschiedliche Formen von Gewalt zu sensibilisieren und Betroffenen Wege zu Unterstützung und Schutz aufzuzeigen.

3. bis 12. November: Ausstellung „rosaROT“ in Beeskow
Den Auftakt bildet die Ausstellung „rosaROT“ im Atrium der Kreisverwaltung in Beeskow. Sie setzt sich mit unterschiedlichen Formen und Folgen von Gewalt gegen Frauen auseinander, macht Betroffenheit sichtbar und regt zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung an. Zur Veranstaltung

Die Ausstellung wird am 3. November 2026 um 16 Uhr eröffnet und ist bis einschließlich 12. November zu sehen.
Zur Eröffnung sind unter anderem kommunale Gleichstellungsbeauftragte sowie Vertreterinnen und Vertreter der Frauenhäuser im Landkreis eingeladen. Sie begleiten die Ausstellung fachlich und stehen für Fragen und Gespräche zur Verfügung.

24. November: Buchlesung „Der Alte muss weg!“ in Eisenhüttenstadt
Am 24. November 2026 um 16 Uhr liest die Autorin Anke Vogt auf der Kleinen Bühne in Eisenhüttenstadt aus ihrem Buch „Der Alte muss weg!“.
Im Anschluss besteht Gelegenheit zum Austausch mit Fachleuten und Betroffenen über häusliche Gewalt sowie Möglichkeiten der Prävention und des Schutzes.
Sigrun Hasseln-Grindeln, ehemalige Richterin für Jugendstrafrecht am Landgericht Cottbus, wird zudem aus ihrer beruflichen Erfahrung berichten und Einblicke in Fälle häuslicher Gewalt geben.

25. November: Fahnenhissungen setzen sichtbare Zeichen
Am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen werden an mehreren Orten im Landkreis Fahnen gehisst, um öffentlich ein Zeichen gegen Gewalt und für Solidarität mit Betroffenen zu setzen.

Die Termine im Überblick:

  • 10 Uhr: Kreisverwaltung Beeskow | Haus A Breitscheidstraße
  • 12 Uhr: Marktplatz Fürstenwalde
  • 14 Uhr: Rathaus Eisenhüttenstadt

Prävention beginnt mit Aufklärung: Informationsaktion für Jugendliche
Auch Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse in Fürstenwalde werden im Rahmen einer Informationsaktion für das Thema sensibilisiert.
Dazu werden kleine Informationspakete mit Materialien zur Gewaltprävention verteilt. Sie enthalten unter anderem Informationen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, Hinweise auf Hilfsangebote, Trillerpfeifen sowie Informationen zum internationalen Handzeichen, mit dem Menschen unauffällig auf eine Notsituation aufmerksam machen können.
Ergänzt werden die Materialien durch sogenannte „CheckUrDrink“-Schnelltests, die zur Erkennung bestimmter K.-O.-Tropfen in Getränken eingesetzt werden können.

25. November: Filmabend „Der Feind in meinem Bett“
Am 25. November 2026 um 20 Uhr wird im Kino in Fürstenwalde der Film „Der Feind in meinem Bett“ gezeigt.
Der Film greift das Thema häusliche Gewalt auf und macht die Mechanismen von Kontrolle, Bedrohung und Gewalt innerhalb einer Partnerschaft sichtbar.

Hilfe ist da – auch im Landkreis Oder-Spree

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter. Sie kann körperlich, psychisch, sexualisiert, wirtschaftlich oder digital ausgeübt werden. Betroffene müssen damit nicht allein bleiben.
Im Landkreis Oder-Spree stehen Frauenhäuser, Beratungsstellen und weitere Unterstützungsangebote zur Verfügung. Sie bieten Schutz, Beratung und Begleitung – vertraulich und orientiert an der individuellen Situation der Betroffenen.

Anlaufstellen und Angebote im Landkreis Oder-Spree sind:

  • Frauenhaus Fürstenwalde – Frauen helfen Frauen e. V.: Schutz, Unterkunft und psychosoziale Begleitung für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder. Angeboten werden auch externe und präventive Beratung, aufsuchende Beratung nach Polizeieinsätzen sowie Nachbetreuung. Kontakt: 03361 57481. | www.nbfev.de/fuerstenwalde  
  • Frauenhaus Eisenhüttenstadt – Frauen für Frauen e. V.: Schutz und Beratung für Frauen und Kinder bei häuslicher Gewalt. Kontakt: 03364 43786, Bereitschaft: 0162 6435546. | www.nbfev.de/eisenhuettenstadt  
  • Sozialpsychiatrischer Dienst und Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst des Landkreises: Beratung und Unterstützung für Erwachsene und Kinder in psychischen Krisen sowie für Angehörige. Der Dienst kann Hilfebedarfe einschätzen und medizinische, psychiatrische oder psychosoziale Hilfen vermitteln. Er ersetzt bei akuter Gefahr jedoch nicht die Polizei oder eine spezialisierte Opferberatung.
  • Allgemeiner Sozialer Dienst des Jugendamtes: Ansprechpartner, wenn Kinder oder Jugendliche von Gewalt betroffen sind, Gewalt miterleben oder eine Kindeswohlgefährdung vermutet wird. Der ASD berät, prüft den Schutzbedarf und veranlasst erforderlichenfalls Hilfen oder Schutzmaßnahmen. Er ist regional an den Standorten Beeskow, Eisenhüttenstadt, Fürstenwalde und Erkner erreichbar.
  • Erziehungs- und Familienberatungsstellen: Beratung für Kinder, Jugendliche und Eltern bei familiären Konflikten, Trennung und Scheidung, Gewalterfahrungen, Verhaltensauffälligkeiten und Krisen. Im Landkreis bestehen Angebote des Landkreises in Beeskow und Eisenhüttenstadt sowie der AWO in Fürstenwalde und Erkner. | https://www.landkreis-oder-spree.de/Bildung-Soziales/Jugend-und-Familie/Erziehungs-und-Familienberatungsstellen  
  • Opferhilfe Land Brandenburg e.V. – Beratungsstelle Frankfurt (Oder): Fachberatung für Betroffene und Zeugen von Gewalt- und Sexualstraftaten sowie für Angehörige. Angeboten werden Krisenberatung, Stalkingberatung, psychotraumatologische Unterstützung und psychosoziale Prozessbegleitung. Kontakt: 0335 6659267. Telefon- und Videoberatung sind möglich.
  • WEISSER RING, Außenstelle Oder-Spree: Psychosoziale Begleitung und praktische Unterstützung für Opfer von Straftaten, unter anderem bei häuslicher Gewalt, Stalking und Körperverletzung. Kontakt: 03361 551643, bundesweites Opfer-Telefon: 116 006.
  • Vertrauliche Spurensicherung nach sexualisierter Gewalt: Betroffene können Verletzungen und Tatspuren medizinisch dokumentieren und sichern lassen, auch wenn sie zunächst keine Strafanzeige erstatten möchten. Die jeweils aktuellen Anlaufstellen veröffentlicht das Land Brandenburg. | https://rechtsmedizin.brandenburg.de/blr/de/vertrauliche-spurensicherung/  

Bundesweite Hotlines (rund um die Uhr, anonym, kostenfrei)

  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: Bundesweit, kostenfrei, anonym und rund um die Uhr unter 116 016 erreichbar. Die Beratung wird auch in mehreren Sprachen angeboten und vermittelt an regionale Hilfen.
  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
  • Nummer gegen Kummer (für Kinder/Jugendliche): 116 111


Die Veranstaltungen rund um den Orange Day machen deutlich: Gewalt gegen Frauen geht uns alle an.

Es braucht Aufmerksamkeit, gesellschaftliche Verantwortung und Menschen, die nicht wegsehen. Mit den Aktionen im November möchte der Landkreis Oder-Spree gemeinsam mit seinen Partnerinnen und Partnern sensibilisieren, Betroffene stärken und zeigen, dass Unterstützung erreichbar ist.

Denn eine Zukunft ohne Gewalt beginnt damit, dass wir heute nicht wegsehen.

Datum: 21. Oktober 2026