Pflegedialog im Landkreis Oder-Spree: „Pflege geht uns alle an!“ - Ein Review
„Pflege geht uns alle an!“ – genau das war am 22.4.26 auf der Burg deutlich zu spüren.
Das große Interesse am ersten Pflegedialog zeigte sich bereits im Vorfeld: Die Nachfrage war höher als die verfügbaren Plätze. Rund 95 Anmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern, Pflegeanbietenden, Fachkräften, Beratungsstellen, Betroffenen, Vertreterinnen und Vertretern der Pflegeschule sowie Abgeordneten des Kreistages machten deutlich, wie relevant das Thema Pflege für viele Menschen im Landkreis Oder-Spree ist.
Besonders bemerkenswert war die breite Beteiligung und der offene Austausch zwischen allen Akteuren. Statt Konkurrenzgedanken stand vielfach das gemeinsame Ziel im Mittelpunkt: miteinander arbeiten, Synergien nutzen und neue Wege denken.
Warum braucht es den Pflegedialog?
Der positive Spirit der Veranstaltung und der Wunsch vieler Teilnehmender, langfristig gemeinsam am Thema weiterzuarbeiten, waren deutlich spürbar. Oder wie mehrfach gesagt wurde:
„Es gibt viel zu tun.“
Der Pflegedialog war deshalb nicht als einmalige Veranstaltung gedacht, sondern als Auftakt für einen längerfristigen Prozess. Künftig sollen aktuelle Fachinformationen, Erfahrungen und Impulse für alle Akteure im Landkreis gebündelt und diskutiert werden.
Ein wichtiger fachlicher Beitrag kam von Frau Migalla zum aktuellen Altersbericht. Viele der angesprochenen Aspekte regten zum Nachdenken an und zeigten, wie eng Pflege mit gesellschaftlicher Teilhabe verbunden ist.
Zentrale Erkenntnisse aus dem Altersbericht
Besonders eindrücklich waren unter anderem folgende Punkte:
- Menschen befinden sich statistisch bereits ab etwa 40 Jahren in ihrer „zweiten Lebenshälfte“. Damit wächst häufig auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Altern – oder die Rolle als pflegende Angehörige.
- Pflege bedeutet weit mehr als reine Versorgung. Es geht um Teilhabe, Selbstbestimmung und die Frage: Wer entscheidet eigentlich für pflegebedürftige Menschen – und was können diese selbst entscheiden?
- Soziale Ungleichheiten verstärken sich im Alter häufig weiter. Materielle Lage, gesellschaftliche Teilhabe und soziale Eingebundenheit beeinflussen Lebensqualität und Pflege gleichermaßen.
- Die meisten pflegenden Angehörigen sind zwischen 50 und 65 Jahre alt. Viele erleben Mehrfachbelastungen durch Beruf, eigene gesundheitliche Einschränkungen und die Verantwortung für Angehörige.
- LSBTI-Personen gehören zu einer besonders vulnerablen Gruppe im Alter. Diskriminierungserfahrungen wirken oft lebenslang nach.
- Auch Menschen mit Migrationsgeschichte bilden eine wachsende Gruppe pflegebedürftiger Menschen. Sprache, kulturelle Prägungen und Biografien gewinnen insbesondere im hohen Alter stark an Bedeutung.
- Altersarmut bleibt ein großes Thema: 18,3 Prozent aller Menschen über 65 Jahre gelten als armutsgefährdet, bei Menschen mit Migrationsgeschichte liegt der Anteil deutlich höher.
Was bleibt besonders in Erinnerung?
Viele engagierte Anbieter und eine insgesamt gute Angebotsstruktur im Landkreis. Besonders positiv wurde wahrgenommen, dass zahlreiche Akteure offen für Zusammenarbeit sind und voneinander lernen möchten.
Große Themen waren dabei:
- alte Strukturen hinterfragen,
- mutige neue Ansätze ausprobieren,
- Pflege stärker als Lebensraum denken.
Ein Beispiel dafür war die Idee vom „Pflegeheim als Wohnort“. Immer wieder ging es um die Frage, wie Selbstbestimmung und Teilhabe auch bei Pflegebedürftigkeit erhalten bleiben können – zu Hause ebenso wie in stationären Einrichtungen.
Die wichtigste Erkenntnis des Tages:
Das Interesse am Thema Pflege ist enorm – und der Wunsch, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, ebenso.
Wie geht es weiter?
Der Pflegedialog war erst der Anfang. Bereits jetzt haben sich nahezu 30 Interessierte für die Mitarbeit in einer neuen „Arbeitsgruppe Pflege“ angemeldet. Das erste Treffen findet am 26.08.2026 statt.
Im Rahmen eines Klebepunkte-Rankings wurden drei zentrale Themenfelder festgelegt, an denen künftig weitergearbeitet werden soll:
- Einsamkeit und Isolation
- Unterstützung für pflegende Angehörige
- Entbürokratisierung
Die Botschaft des Tages bleibt:
Dran bleiben – gemeinsam, offen und mutig neue Wege gehen.
Datum: 17. Juni 2026