Landwirtschaft zwischen Innovation, Tierwohl und wirtschaftlichem Druck
Wie arbeiten moderne Landwirtschaftsbetriebe im Landkreis Oder-Spree? Welche Herausforderungen bestimmen ihren Alltag und welche politischen Rahmenbedingungen benötigen sie für eine erfolgreiche Zukunft?
Diesen Fragen widmete sich Landrat Frank Steffen bei einer Kreisbereisung gemeinsam mit dem Landwirtschaftsamt des Landkreises, dem Kreisbauernverband Oder-Spree sowie Vertreterinnen und Vertretern regionaler Landwirtschaftsbetriebe.
Im Mittelpunkt standen der persönliche Austausch mit den Betrieben, Einblicke in moderne Produktionsverfahren sowie Gespräche über aktuelle Investitionen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Landwirtschaft.
Moderne Geflügelhaltung: Tierwohl und regionale Vermarktung
Erste Station war die Geflügelhof Groß Briesen GmbH mit ihrer modernen Legehennenanlage sowie die Reudnitzer Geflügel GmbH. Geschäftsführer Thomas Kläber informierte gemeinsam mit Frank Groß, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Ranzig, und Christian Rußig, Leiter Tierproduktion, über Geflügelhaltung, Vermarktungswege und die aktuelle Marktsituation.
In Groß Briesen leben rund 12.000 Legehennen – bewusst weniger als die maximale Stallkapazität von 15.000 Tieren. Die moderne Stallanlage ist konsequent auf das Tierwohl ausgerichtet. Strukturierte Bereiche mit Sitzstangen, geschützten Legenestern sowie Beschäftigungsmöglichkeiten wie Luzerneballen und Picksteinen fördern das natürliche Verhalten der Tiere und reduzieren Stress. Tagsüber nutzen die Hennen den großzügigen Freilauf unter Pappeln, der natürlichen Schatten und Schutz bietet.
Täglich werden rund 10.800 Eier produziert und überwiegend regional vermarktet. Insgesamt wurden rund zwei Millionen Euro in die Anlage investiert, etwa 30 Prozent der Investitionskosten konnten über Fördermittel finanziert werden.
Auch die Entenproduktion in Reudnitz war Teil der Besichtigung. Dort werden jährlich rund 240.000 Pekingenten aufgezogen. Die Betriebsverantwortlichen schilderten die zunehmenden wirtschaftlichen Herausforderungen durch steigende Energie- und Lohnkosten sowie den Wettbewerbsdruck auf dem europäischen Markt.
Erntevorbereitung in Trebatsch
Anschließend stand ein Besuch der Agrargesellschaft Trebatsch-Mittweide mbH auf dem Programm. Geschäftsführer Dennis Beckmann stellte die Vorbereitungen auf die bevorstehende Getreideernte vor: Moderne Ernte- und Transporttechnik sowie die Organisation von Personal und Maschinen für die arbeitsintensive Erntezeit.
Darüber hinaus wurde über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Landwirtschaft diskutiert. Steigende Betriebskosten, schwankende Erzeugerpreise und die Entwicklungen auf den internationalen Agrarmärkten stellen viele Betriebe vor große Herausforderungen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig moderne Technik, Planungssicherheit und wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen für die heimische Landwirtschaft sind.
Das angeforderte Objekt steht im Moment nicht öffentlich zur Verfügung.
Wasser: Zukunftsthema der Landwirtschaft
Beim Besuch der Agrargenossenschaft Ranzig informierten sich die Teilnehmenden über Investitionen in moderne Beregnungstechnik. Rund zwei Millionen Euro wurden in Beregnungsanlagen investiert, mit denen jährlich bis zu 360.000 Kubikmeter Wasser zur Sicherung des Futteranbaus bereitgestellt werden können.
Die Landwirte machten deutlich, dass eine gesicherte Wasserversorgung angesichts zunehmender Trockenperioden immer wichtiger wird. Gleichzeitig kritisierten sie langwierige Genehmigungsverfahren – sowohl für Beregnungsanlagen als auch für Projekte wie Biogasanlagen. Weitere Gesprächsthemen waren die Auswirkungen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), wasserrechtliche Vorgaben und Flächenvernässungen. Einigkeit bestand darin, dass schnellere Verfahren und ein spürbarer Bürokratieabbau notwendig sind.
Zum Abschluss der Kreisbereisung zog Landrat Frank Steffen ein positives Fazit:
„Die Kreisbereisung hat erneut gezeigt, mit wie viel Engagement, Fachwissen und Innovationsbereitschaft unsere landwirtschaftlichen Betriebe arbeiten. Gleichzeitig brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie, um auch künftig wettbewerbsfähig wirtschaften zu können. Der direkte Austausch ist dafür unverzichtbar.“
Datum: 6. Juli 2026